Rezension zu Die Welt als Organismus

Barbara Roca

Rezension (oder Nachlese?) zu:

Leopold Ziegler

Die Welt als Organismus

Araki Verlag Leipzig 2017

Der vorliegende Druck stellt einen Auszug aus Zieglers Werk „Gestaltwandel der Götter“ (Berlin, 1920) dar. Es war das Werk, mit dem Ziegler seinerzeit nach einem bereits umfangreichen Publikationswerk einen größeren Kreis von Lesern erreichte.

(…)

Ziegler selbst schreibt 1948 anlässlich einer Sonderausgabe eben des vorgestellten Textes, dass das Konzept der „Welt als Organismus“ nicht mit wissenschaftlichen Verfahrensweisen zu bewältigen sei und verweist darauf, dass dafür eine „visio intellectualis“ nötig sei. Abgesehen davon, dass er in dem Kapitel selbst neben naturwissenschaftlichen und künstlerischen Bewältigungsversuchen des Problems auch die Mittel der Philosophiegeschichte, mithin unter anderem geisteswissenschaftliche Verfahrensweisen zur Flankierung seiner Argumentationen bemüht, verweist die Aussage schon auf den leisen gnostischen Drive, der das mit Tradition, Überlegung, Argumentation und auch Polemik vollbeladene Schiff der Gedanken in gemessener Geschwindigkeit vorwärts trägt.

Ziegler beginnt seine Darlegung zunächst mit einer Definition – und darin auch Begrenzung – der „Mechanik“. Er meint damit das erkenntnismethodische Instrumentarium des modernen einzelwissenschaftlichen Denkens, das seine Erkenntnisse auf Analyse stützt. Unter „modern“ seien die Einzelwissenschaften der Frühen Neuzeit Europas verstanden, die sich erst in dieser Zeit in heute noch erkennbarer Struktur und Abgrenzung etablierten.

Die Entwicklung der Organik hingegen, in deren methodischem Vorgehen er eine Asymmetrie des Erkennens und Werdens zwischen Ursachen und Wirkungen festzustellen meint, betrifft Leben als Ganzes. Meint er damit, dass Kausalketten oder auch Kausalität organismisch aufgefasste Lebensformen nur unzureichend beschreiben können? Die Vermutung liegt nahe, wenn er darlegt, dass in Gang gesetzte Wirkungen ihre Ursachen, mit den Worten der Verf. gesagt, quantitativ und qualitativ ins Unerwartete hin übertreffen können. In dieser Entgegensetzung, die später zwischen Welt und Erkenntnis derselben wieder gegeneinander beweglich gemacht wird, setzt Ziegler einen weiteren als gnostisch zu adressierenden Punkt.

Im Zusammenhang mit dem folgend eingeführten Begriff des „Welt-Organismus“ verweist Ziegler auf Schelling in doppelter Form und nennte dessen Begriff des „All-Organismus“ als der Begriffsintention nach wesensverwandt (unter anderem entwickelt in: Schelling. Ideen zu einer Philosophie der Natur, 1797). Er benennt damit zum einen zugleich eine seiner philosophischen Quellen und indirekt auch eine seiner großen Kontroversen, nämlich die mit dem Neukantianismus, von dem – um es vereinfachend zu sagen – unter anderem Schelling auf Grund seiner gnostizierenden Tendenzen scharf abgelehnt wurde.

Nicht Kant selbst gilt die Grenzziehung, der an der am Erkenntnispunkt zu Paradoxien bzw. Antinomien des Denkens –indem durch logisch richtiges Schließen sich hinsichtlich der gleichen Sachverhalte die jeweils gegenteilige Folgerung ergibt – bekanntlich stehenließ, dass jenseits dieser Grenzen innerhalb des aufgespannten Systems der reinen Vernunft nichts zu erkennen sei und alle weiteren, paradox gegeneinander stehenden Folgerungen an dieser Stelle daher nicht ausführte, sondern eine als agnostisch zu bezeichnende Grenze zog. Dies unter anderem wie auch sein Lösungsansatz in der Transzendental – und auch Praktischen Philosophie bildete den Ausgangspunkt vielfältiger Rezeption. Entscheide auch heute jeder in eigener Verantwortung, welchen Akt menschlichen Erkenntnisdramas er – oder sie?- auf der gewaltigen Bühne inszenieren will, die in Königsberg errichtet wurde. Genau damit folgen wir dem, was Kant unter „Aufklärung“ verstand (in anderen Sprachen übrigens von klar, hell: Illustration, Illumination, Jahrhundert der Lichter).

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Die einschneidende Kürzung sei uns hier verziehen. Wir bieten die komplette Rezension als Pdf zum Download an.


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