Nachwort zu „Nahseinsfeuer“

Dieser Gedichtzyklus umreißt das Gefahrengebiet der zärtlichen, leidenschaftlichen, einsamen, sehnsüchtigen, zerstörerischen und nur in seltenen Glücksmomenten erfüllten Liebe.
Das erste der sieben Kapitel, eine Art Ouvertüre, stimmt den Ton für den ganzen Zyklus an und nimmt wichtige Motive, wie das „Angstlodern“, die „pochende Unrast“, das „Nahseinsfeuer“ vorweg.
Das zweite Kapitel enthält Briefe an die geliebte Person, deren Liebe verloren ist. Aber ein sentimentaler Ton kommt nicht auf. Obwohl die direkte Anrede vorherrscht, stehen diese Episteln eher unter dem Motto: ‚Was geht’s dich an, dass ich dich lieb(t)e?’
Im Zentrum des vierten Kapitels steht die „Liebesreise“, ein einziges Gedicht über – nein, nicht Paris, sondern Amsterdam. Und so wie sich der Name der Stadt gegen das Klischee sperrt, so sind auch die Eindrücke subjektiv und höchst individuell.
Das Kapitel „Liebesbeben“ umreißt die zuvor in den Briefgedichten nur angedeutete Liebesgeschichte aus einer objektiven Sicht. Hierbei kommen Motive wie die Präsenz des Namens des Geliebten, das Lauschen nach seinen Schritten hinter der geschlossenen Tür, Glücksgefühle im Beisammensein und Ohnmachtserfahrung im Getrenntsein ausführlicher zu Wort als in den Briefen.
Im Kapitel „Verwandlung einer Liebe“ tritt der Aspekt der unrettbaren Fremdheit nach einer zerbrochenen Liebe hinzu, der Unwiederbringlichkeit der einstigen Nähe.
Der Schlussabschnitt „Im Licht der Liebe“ blickt aus einem geläuterten Standpunkt auf die Liebe. Hier ist erfahrbar, wie sich die Seele ohne Arg und Groll dem Würgegriff der Leidenschaften entzogen hat und Naturmotive in die Liebeserfahrung Einzug halten. Auch Kindheitserinnerungen spielen in diese pandämonische Liebeslyrik hinein. Das Ende bestimmt ein versöhnlicher Grundton.

Bernhard Bauser


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